Namatjira – Moons Of Yesterday

Ich musste jetzt mal nachsehen, seit wann Joost van der Vleuten alias Namatjira im Geschäft ist – denn gefühlt war er schon immer da. Tatsächlich ist der Niederländer seit über einem Jahrzehnt im Geschäft und kann auf eine gehörige Diskografie zurückblicken. Mit „Moons Of Yesterday“ präsentiert er sein zweites Studioalbum auf Paul Hazendonks Manual Music Imprint.

Keine großen Intros, mit „Kattenkwaad“ geht die Reise gleich mal direkt in deepe und hypnotisierende Gefilde. Zwischen gut platzierten Percussionelementen und markanten Brasssounds fühlen wir uns sofort wohl und sind gespannt, wie es weitergeht.

„I’ll Kill You“ wurde ja schon vorab als Single veröffentlicht. Wem der Titel bekannt vorkommt, ja es handelt sich um ein Remake des auf Bedrock veröffentlichten Klassikers von Terry Grant. Jennifer Horne steuert auch zu dieser Version ihre sinnlichen Vocals bei, sodass wir schon bei Track 2 eines der Highlights dieses Albums hören dürfen.

Clubbig geht es weiter, „Capricciosa“ wurde auch schon vorab veröffentlicht und begeistert wieder mit schönen Percs und angenehmen Pads. Diese Formel drückt bei mir immer alle Knöpfe, somit Daumen hoch!

Mit „Bradycardie“ schaltet Namatjira einen Gang hoch, allein die Kick ist schon ein Statement für sich. Hypnotisch und groovy schraubt sich der Track voran, mal auf, mal ab – Progressive wie er im Buche steht.

„Aguamar“ ist die logische Fortsetzung, auch hier gibt es smoothe Basslines, gut platzierte Arpeggios und wunderbar in Szene gesetzte Synths. Besonders das Break ist hier hervorzuheben, fällt es für heutige Verhältnisse ungewöhnlich lange aus. Genau das macht den Track jedoch so wirkungsvoll, da immer wieder mit den Erwartungen gespielt wird und der Höhepunkt gekonnt hinausgezögert wird. Geil!

„Solenodon“ schlägt in eine ähnliche Kerbe wie „Bradycardie“ und führt den Weg des Albums konsequent fort.

Genau zu dem Zeitpunkt als ich das erste Mal dachte, wann mal ein beatloses Stück kommt, taucht „Sounds Of Sunday Morning“ auf – keine Sekunde zu früh. Ich bin ein großer Fan von Ambient, da Tracks ohne tragende rhythmische Elemente perfekt für den Start und das Ende eines Sets geeignet sind. So auch hier, ich lasse mich wehrlos in die Soundkulisse hineinsaugen und bin spätestens nach der ersten Minute schon hoffnungslos verloren. Ein Track der ganz klar ein fettes Ausrufezeichen als Opener einiger meiner Sets fungieren wird.

„Kununurra“ setzt wieder auf Beats, jedoch deutlich reduzierter als bei den Tracks 1-6. Smotthe Pianos und angenehme atmosphärische Elemente tragen uns durch den Aufbau. Kein riesiger Höhepunkt, sondern einfach gemütlicher Sound für den Sonnenuntergang.

Bei „Orotund“ geht es in eine melodiösere Richtung. Bewährte Melodic House Elemente und eine verspielte Synthline treffen sich und ergeben ein solides Ganzes.

Die einzige Collab auf diesem Album findet wir bei „Amber Fluid“. Namatjira und STVN hatten schon einige Male das Vergnügen, gemeinsam Musik zu machen. Hier verbinden sie aufbrausende Brass-Stakkatos und smoothe Basslines zu einem wunderbar tanzbaren Ganzen. Simpel aber unglaublich wirkungsvoll gestalten sie das Break und lassen keinen Zweifel aufkommen, wo wir am Ende des selbigen sein sollten: auf der Tanzfläche, Honey!

„Yorba“ ist gleichermaßen für die Tanzfläche gemacht, jedoch wieder etwas melodiöser als das vorhergehende Stück. Vermehrt schleichen sich wieder Pads und Synthinserts ein, ein Hauch von 90er-Progressive weht aus den Lautsprechern.

Wir sind beinahe am Ende angelangt, und die Stimmung bei „Apollyon“ zeigt dies gekonnt an. Düsterer Bass, heruntergepitchte Vocals, dezent im Hintergrund operierende Synths, ganz klar ein Stück für die späte Nacht.

Mit „Naya“ entlässt uns Namatjira aus der Reise und vom ersten Takt an zeigt die Richtung geradewegs auf Finale Furioso. Harte Kicks, nach vorne preschender Bass, Arps, reduziertes Arrangement, mit dem Schlussstück will er uns noch einmal ordentlich Dampf machen. Und das gelingt!

Namatjira ist ein unglaublich konsistenter Artist, das vorliegende Album zeigt dies eindrucksvoll. Vor uns liegen 13 wunderbare Tracks. Wenn ich mir für das nächste Album etwas wünschen dürfte, dann wären es mehr Interludes, Ambienttracks und ein gestandenes Intro und Outro, denn zwischendurch hatte ich mich kurzzeitig in den Club Cuts etwas verloren. Dies ist jedoch schon das einzige Haar in der Suppe. Hit the dance button!

Interpret Namatjira

★★

(4/5)

Titel Moons Of Yesterday
Tracks/Mixes Kattenkwaad (Original Mix)
I’ll Kill You (ft. Jennifer Horne) (Original Mix)
Capricciosa (Original Mix)
Bradycardie (Original Mix)
Aguamar (Original Mix)
Solenodon (Original Mix)
Sounds Of Sunday Morning (Original Mix)
Kununurra (Original Mix)
Orotund (Original Mix)
Amber Fluid (ft. STVN) (Original Mix)
Yorba (Original Mix)
Apollyon (Original Mix)
Naya (Original Mix)
Label Manual Music
Releasedatum 12.06.2020
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